Autor Thema: Die Inventarlisten der Templergüter im Königreich Aragon aus den Jahren 1289-90  (Gelesen 623 mal)

Hugo de Rode

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Dass nach den Templervehaftungen im Jahr 1307 Inventarlisten der Templergüter in Frankreich und anderswo aufgestellt wurden dürfte bekannt sein.

Dies hier war mir bis vor kurzem jedoch nicht bekannt :

Ich habe vor einigen Tagen den Artikel von Miret y Sans Joaquim ausgegraben (Inventaris de les cases del Temple de la Corona d'Arago en 1289 erschienen in 1911). Dort sind 13 Inventarlisten der aragonesischen Templergüter aus dem Jahr 1289 und eine einzige aus dem Jahr 1290 aufgelistet. Diese Listen sind sehr komplett : Viehbestände, Pferde, Ausstattung der Kapellen, Waffen, Rüstungen usw. Das Problem ist dass diese Listen in einer Mischung von mittelalterlichem Aragonesisch und Katalanisch aufgeschrieben sind...Es ist also nicht so einfach sie zu entziffern. Ich habe mich bis jetzt auf die Waffen und Rüstungsteile beschränkt...

Folgendes habe ich sicher entziffert :

perpunt = Gambeson
capels de ferre = Eisenhüte
elm= (Topf?)Helm
camisol= Kettenhemd (wahrscheinlech Hauberk)
azberc = ärmelloses Kettenhemd
capmayl = Kettenhaube

es gibt : azberc ab capmayl = Kettenhemd mit Kettenhaube
und azberc menors de capmayl = Kettenhemd ohne Kettenhaube

pareyls de calças de Ferro = Kettenbeinlinge
lanças = Lanzen
balesta = Armbrust
parels de Guans = Handschuhe
bisarma = Stangenwaffe (fer de barbiche)
arcs turqueses = türkischer Bogen
espaes = Schwerter
escut = Schild
braceroles = Armschienen für Bogenschützen
crocs = Armbrusthaken zum Spannen der Armbrust

Hier bin ich mir nicht so sicher :

parels de cuxeres = Sporen? oder doch vielleicht eher Beinschienen?
capillines = irgendeine Helmart? eventuell Hirnhauben?
cuxotz oder cuixot dürften Diechlinge sein?
cofas oder coffes könnten Polsterhauben sein?
« Letzte Änderung: 24. April 2018, 20:57:28 von Hugo de Rode »
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Cornelius

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Viel beitragen kann ich leider nicht, aber die cofas/coffes dürften mit großer Wahrscheinlichkeit einfache Bundhauben/coifs sein. Ich kann mich an keine dezidiert "militärische" Haube unter dem Hauberk erinnern, die in der Regel erwähnt würde. Zudem hat man dort, wenn man den Illustrationen (z. B. Maciejowski-Bibel) trauen darf, auch nur eine normale Bundhaube drunter getragen.

Benedikt von Söllbach

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Gab es nicht mal irgendwo einen Eisenhutfund, in dem Filzreste gefunden wurden, was als Polsterung gedeutet wurde?

Phu, ich erinnere mich nicht. Wars sogar der aus Wilnsdorf?
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Hugo de Rode

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Viel beitragen kann ich leider nicht, aber die cofas/coffes dürften mit großer Wahrscheinlichkeit einfache Bundhauben/coifs sein. Ich kann mich an keine dezidiert "militärische" Haube unter dem Hauberk erinnern, die in der Regel erwähnt würde. Zudem hat man dort, wenn man den Illustrationen (z. B. Maciejowski-Bibel) trauen darf, auch nur eine normale Bundhaube drunter getragen.

Stimmt in der Regel werden die Polsterhauben nicht erwähnt, aber es ist auch gar nicht so sicher dass z. Bsp. der Gambeson erwähnt ist. Im französischsprachigen Templerforum diskutieren wir noch immer was das Wort "espalières (espaulières)" (Artikel 138 OR), das im französischem Originaltext steht, eigentlich bedeutet. Im heutigen Französisch gibt es das Wort "spalière", es hat die Bedeutung von "Plattenschultern".

In der englischen Übersetzung von Upton-Ward steht einfach "arming jacket", bei Körner "Rüstwams", ganz so einfach ist es meiner Ansicht jedoch nicht.

Im Mittelhochdeutschen gibt es die Wörter "spaldenier, Spalier, spanaröl, spanneröl", im Italienischen "spalliera", im Katalanischem "espatlleres", alle ähneln stark dem Wort "espalières" auch in skandivanischen Sprachen kommen ähnliche Wörter vor.

Laut dem Mittelhochdeutschen Taschenwörterbuch (Lexer) heisst "spaldenier" :

Zitat
die Schultern (unter dem Harnisch ) deckendes gefüttertes Kleidungsstück

und auch ein Wörterbuch für mittelalterliches Französisch gibt fir "espalières" folgende Worterklärung :

Zitat
partie de l'armure qui défendait l'épaule, bande d’étoffe passant sur l’épaule
d.h. Teil der Rüstung der die Schulter schützt und Stoffstreifen der über die Schulter gelegt ist"

Ein Gambeson ist ja eigentlich ein bischen mehr...

Ich frage mich mittlerweile ob das Wort "espalières" in der Ordensregel nicht sämtliche gepolsterte Schutzkleidung bezeichnet also eventuell sowohl Polsterhaube, Gambeson und Diechlinge...ist aber nur eine persönliche Vermutung und kann sie nicht beweisen...

Doch zurück zu den "Cofas" :

Beim Inventar von Dambel steht die "cofa" in der Aufzählung nach dem "yelmo" (Helm)...

Inventar von Dalfambra stehen die zwei "cofas" nach den 12 Eisenhüten und vor den 10 Lanzen

Bei Cantaueyla stehen die neun "cofas maresas?" nach den 20 capiellos de ferre (wohl auch Eisenhüte oder Hirnhauben)

Bei Orta stehen die 5 "coffes" zwischen den 9 Eisenhüten und den 12 Kettenhemden

Die Dinger dürften also etwas mit dem Kopfschutz zu tun gehabt haben, deshalb habe ich an Polsterhauben gedacht...

Leider habe ich noch nicht herausgefunden was "maresa" bedeutet...
« Letzte Änderung: 16. Mai 2018, 15:15:52 von Hugo de Rode »
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Hugo de Rode

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Gab es nicht mal irgendwo einen Eisenhutfund, in dem Filzreste gefunden wurden, was als Polsterung gedeutet wurde?

Phu, ich erinnere mich nicht. Wars sogar der aus Wilnsdorf?

Es dürfte sich um diesen hier handeln :

Zitat
  Eisenhut, 13. – 14. Jh., Fundort: Wüstung Marsleben (Vorharz); aus 4 Teilen zusammengesezt (Kalotte aus zwei Halbschalen, darüber ein mittig verlaufendes leicht gewölbtes Eisenband, abfallende Krempe; genietet), innen befinden sich Nieten und organische Spuren (Filz oder Leder), die vermutlich einer Helmpolsterung zuzuordnen sind. (Literatur: Demuth, 2006)

Hier gefunden :

http://www.brandenburg1260.de/ruestungen.html
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Cornelius

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Da die Liste so spät entstanden und der Zusammenhang mit Rüstung für den Kopf gegeben ist, könnten auch gut separate Ringpanzerhauben gemeint sein, die meines Wissens im späten 13. und frühen 14. Jh. vorherrschen.

Die espalieres (vgl. das anscheinend eingedeutschte spaldenier [hier wie im Buch], außerdem wird das auf der von Hugo verlinkten Seite erwähnt) halte ich inzwischen auch für einen reinen Kragen bzw. Schulterpanzer, wie ihn auch Körner damals übersetzt hat (vgl. auch hier, S. 67, allerdings nur ab dem 13. Jh.). Bildquellen haben wir kaum (außer vllt. das hier), aber in Sachen Funktion sind espalieres und deren etymologische Verwandte in späterer Zeit eindeutig Schulterpanzer, im Hochmittelalter sind sie aus Stoff (vgl. das Seidenspaldier, das im Wörterbuch angeführt wird).

Gambesons werden überbewertet. ;-) Also, im Ernst: Die Quellen legen keine so große Verbreitung nahe, wie sie in der heutigen Reenactmentszene zu finden ist.

Hugo de Rode

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Da die Liste so spät entstanden und der Zusammenhang mit Rüstung für den Kopf gegeben ist, könnten auch gut separate Ringpanzerhauben gemeint sein, die meines Wissens im späten 13. und frühen 14. Jh. vorherrschen.


Die Ringpanzerhauben (Kettenhauben) sind in den Listen aufgeführt, allerdings als "capmayl".
« Letzte Änderung: 16. Mai 2018, 15:12:36 von Hugo de Rode »
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Cornelius

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Hm... jetzt wo ich nochmal draufschaue: Wie hast du camisol und azberc auseinandergehalten? Vor allem in Bezug auf die fehlenden Ärmel bei letzterem?

Hugo de Rode

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Aufgrund einer Definition aus einem katalanischen Wörterbuch die ich aber jetzt nicht mehr finde :/ , ich habe mir jetzt den Artikel "Armes, queviures I bestiar d'algunes comandes del Temple a Catalunya, Arago I Valencia
segons un inventari de 1289" von Sans I Travé bestellt, dort finde ich vielleicht noch Hinweise.
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Hugo de Rode

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Doch hier hab ich es wiedergefunden (Diccionario de comercio medieval) :

http://www.um.es/lexico-comercio-medieval/index.php/v/lexico/16631/camisol

Übersetzung für Camisol : Kettenhemd mit Ärmeln welche bis zu den Händen reichen
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Cornelius

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Vielen Dank! Das zeigt einmal mehr, dass man ein nach Zeit und Region differenzierendes Nachschlagewerk für derlei Begriffe bräuchte. Seit Alwin Schultz ist da wohl nicht mehr viel passiert im Zusammentragen von Belegstellen. :-/ Wobei, die umgekehrte Frage nun, woraus geht hervor, dass das Hauberk-Lehnwort einen ärmellosen Hauberk (den ich im Hochmittelalter auch erstmal sehen möchte) bezeichnet und nicht einfach einen sans manicles, wie die Templerregel es ausdrückt?

Hugo de Rode

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Ist wohl als sans manicles respektiv als Kettenhemd ohne Hand- und Unterarmschutz zu verstehen.
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Cornelius

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OK, danke für die Einschätzung!

Joan de Miravet

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perpunt = Gambeson

Muss nicht gleich ein Gambeson im herkömmlichen Sinne sein! Es ist unter Umständen auch ein wattierter Waffenrock gemeint!
Dieser kam gerade im südfranzösischen und spanischem Raum sehr häufig vor!

Joan de Miravet

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Ich habe noch ein Buch nahegelegt bekommen welches vieleicht auch noch helfen könnte! Die Info habe ich von einem Templerdarsteller den ich in/auf Miravet getroffen habe.
Er selbst hat es vom Professor Sans Travé persönlich empfohlen bekommen. Das Buch ist von Maria Vilar Bonet.
Ich habs mir mal bestellt, Preis bei Amazon 18 Eur!
 ISBN 84-7935-836-X