Autor Thema: Hospitaliter, spätes 12./13. Jhd. / Adelsdarstellung, zweite Hälfte 13. Jhd.  (Gelesen 900 mal)

Thomas W.

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Übrigens, ein ebenfalls nicht "alltäglicher/normaler" Rekonstruktionsversuch für meine Sammlung wird dieses Exemplar hier werden... Ein früher Topfhelm (nach Abbildungen des Freskenzyklus auf Schloss Rodenegg):


(Bildquelle dieser Collage: pinterest.com)

Der Helm wird Merkmale aus fast all den verschiedenen Abbildungen der Rodenegg-Fresken (was z.B. die allgemeine Form betrifft) erhalten. Das ganze wurde natürlich noch an meine Kopfform- und Abmessungen angepasst, sodass dieses Stück dann später auch voll tragbar/verwendbar ist (allerdings nicht in den Ordensdarstellungen).


(Bildquelle dieser Collage: Patryk Nieczarowski / eigenes Foto / pinterest.com)

Wenn die Messingteile dann irgendwann mal alle fertig bearbeitet sind, werden sie noch vergoldet. Danach folgt dann der Zusammenbau.
Grüsse, Thomas

Thomas W.

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(Bildquelle: ich)

Ich möchte euch gerne eine weitere militärische Einstellung meines Hospitaliterprojektes zeigen. Zusehen ist ein voll gerüsteter Ritterbruder des Hospitaliterordens, wie er nach aktuellem Stand der Recherche um 1200 herum ausgesehen haben könnte.

Im rechten Bildausschnitt sieht man den privaten Schild, den der Ritterbruder um diese Zeit mit in den Orden brachte. Er ist nach einer Abbildung aus nach einer französischen Handschrift (um 1180) gestaltet. Für den Anstrich wurde (über dem Kreidegrund) roter und gelber Okker, sowie Indigo verwendet.

Der frühe Topfhelm mit seiner gezackten Gesichtsplatte orientiert sich primär an einer schwedischen Quelle aus dem späten 12. Jhd. Auch im 13. Jhd. (um 1220) gibt es Bildbelege für diese Art von Helm mit welligen/gezackten Gesichtsplatten im heute deutschsprachigen Raum. Die Kalotte dieser Reproduktion wurde aus einem Stück getrieben.

An der Lanze, deren Blatt einen scharfkantigen panzerbrechenden Querschnitt (nach Belegen aus dem 12./13. Jhd) aufweisst, weht weit sichtbar das Banner des Ordens. Der Schaft ist auch Esche und wurde mit Leinöl versiegelt.

Im linken Bildteil sieht man den Ritterbruder ganz bewusst ohne seinen Schild. Auch die Isenhosen fehlen. In seiner Hand trägt er ein Schwert, dass auf dem rechten Bildteil noch komplett hinter dem Schild verborgen blieb.

Hierbei handelt es sich um ein „early great sword“ (Oakeshott: Klinge Typ XIII / Parier Style 2 / Knauftyp H), dessen Klingenlänge sich an den zu dieser Zeit üblichen Längen für einhändig geführte Schwerter orientiert. Die Hilze ist bei diesem Stück allerdings bereits so lang gehalten, dass sie (neben der einhändigen) eine zweihändige Führung möglich machte.

Bei diesem Klingentyp sind die fast parallel zum Ort hin verlaufenden scharfen Schneiden (die Klinge verjüngt sich zum Ort hin nicht so stark wie bei anderen Typen) ein herausstechendes Merkmal. Das Schwert orientiert sich von den Abmessungen (Klingen- und Hilzenlänge) bis auf wenige Millimeter an einem Stück, dass zu Beginn des 21. Jhd. über Sothepy’s versteigert wurde. Die Klingenlänge liegt bei 87,5cm und die Hilze bei 17cm. Gesamt (mit Knauf und Parier) liegt die Länge bei 110cm. Die Scheide verfügt über eine zeitgenössische Wicklung aus sämisch gegerbtem Leder (höchstwahrscheinlich Hirsch).

Verbesserungswürdig sind meiner Meinung nach noch die Passform/Details am Ringpanzer (das Upgrade startet hoffentlich im Sommer 2018). Die Lanze ist zu kurz, sie hat nur Spiesslänge (passt länger nicht in mein Auto). Die Cotte, die ich über der Rüstung trage, verfügt über keinen Reiterschlitz und könnte etwas länger sein. Zudem ist sie chemisch gefärbt. Wenn ich nochmal an Wolle im gleichen schwarzen Farbton kommen sollte, werden noch Zwickel eingesetzt.
Grüsse, Thomas

Thomas W.

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Ein schönes Display, dass auch etliches an hochmittelalterlicher Ausrüstung beinhaltete, durfte ich letztes Wochenende auf Schloss Wellenberg ausstellen. Anbei ein paar Impressionen für euch: 





(Bildquellen: ich)
« Letzte Änderung: 08. Juni 2018, 14:45:35 von Thomas W. »
Grüsse, Thomas

Hugo de Rode

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Ich habe es schon einmal gesagt und sage es noch einmal : beeindruckende Sammlung von Helmen und anderen Ausrüstungsgegenständen. Grossartig, fantastisch!
Bellement et en paix

hubertus

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In der tat sehr schön. Mein Respekt. :)

Thomas W.

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Ich danke euch beiden! Es kam bei den Besuchern auch gut an und es entstanden gute Gespräche/Diskussionen.
Grüsse, Thomas

Thomas W.

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Nun habe ich auch endlich den ersten hochmittelalterlichen Eisenhut (angelehnt an den Wilnsdorfer Eisenhut, ca. 1200-1230) im Bestand. Für die Zukunft sind noch zwei bis drei weitere Stücke geplant.


(Bildquelle: ich)
Grüsse, Thomas

Benedikt von Söllbach

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Extrem cool, wo hast du den her?
Probate spiritus si ex Deo sunt. ("Prüfet den Geist, ober er von Gott kommt" - Paulus)
Rule of the day:

Thomas W.

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Extrem cool, wo hast du den her?

Den Helm hat mir ein Bekannter gebaut. Der kann mit Holz/Leder/Metall und fertigt bzw. überarbeitet immer mal wieder ein paar Stücke für mich. Ohne ihn wäre etliches nicht möglich gewesen... bin sehr dankbar dafür!
Grüsse, Thomas

Joan de Miravet

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Re:Hospitaliter, letztes Viertel 12. Jhd. & erstes Viertel 13. Jhd.
« Antwort #39 am: 25. Juli 2018, 01:19:07 »
Respekt für deine Arbeit!
Die Collagen sind sehr schön geworden.

Interessant finde ich die Helmbemalung; die ist den Templern ja grundsätzlich* verboten gewesen. Taucht das in den Hospi-Statuten auf?

(*: Es gibt allerdings in Perugia Bilbelege für Bemalte Helme, man weiß nicht, was das zu bedeuten hat; vermutet wird eine militärische Kennzeichnung der Anführer)

Servus!
Entschuldigt bitte den Einschub! Mich hat das mit den bemalten Helmen bei Templern nicht losgelassen und hab's nochmal herausgesucht.
Es gibt unter Umständen doch noch einen zweiten Bildbeleg für bemalte Helme bei Templern. Im Palast von Caldes in Barcelona!
In erster Linie ist es das Beausant welches hier heraussticht! Es sind aber rechts ein weißer Helm zu sehen mit schwarzen unterem Rand.
Weiter links ein weitere Reiter mit einer auffälligen weißen Helmglocke mit "gezackten" unterm schwarzen Rand.
Ich bin mir nur im Moment nicht ganz sicher ob es zur Eroberung von Mallorca oder Valencia gehört!

KristiandeMorcze

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Es stellt die Eroberung Mallorcas unter Jaime den I dar. Die Fahnen sind die Wappen der führenden Adligen, Das Haus Moncada (Montcada), Das Haus Ahones, das Haus Entenza, das Haus Alemany
(lustig, das Haus "Deutsch") und das Haus Cervello. Die Fahne, die als Templer-Gonfalon angesehen wird, ist das Wappen des Hauses Entenza, eigentlich gold-schwarz. Ich vermute,
dass sie das Wappen iwann geändert haben, oder das Gelb einfach zu verwaschen ist. Wobei das von den Montcada wiederum sehr klar ist.
Hier der Link zum spanischen Wiki...
https://es.wikipedia.org/wiki/Casa_de_Entenza
https://ca.wikipedia.org/wiki/Cervell%C3%B3_(llinatge)
http://www.armoria.info/libro_de_armoria/AHONES.html
Hier noch das Haus Montcada
https://de.wikipedia.org/wiki/Montcada_(Adelsgeschlecht)