Autor Thema: Aufnähen des Kreuzes  (Gelesen 5880 mal)

Johannes vom Gollenstein

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Aufnähen des Kreuzes
« am: 11. Juni 2011, 10:57:12 »
Ich weiß nicht, ob das Thema schon diskutiert wurde, ich habe nichts dergleichen gefunden. Wenn doch, bitte verschieben/löschen. Danke!

Ich habe gestern damit angefangen, neue Kreuze auf meine Gewandung zu nähen (krappgefärbter Wollstoff, JUBEL!). Dabei kam mir ein Gedanke, der mich beschäftigt.

Wie hat man diese Kreuze wohl damals angenäht?
Mit Nadel und Faden, schon klar.

Aber wieviel Arbeit wird man sich damit gemacht haben?
Hab man einfach einen Stoffsteifen ausgeschnitten und festgenäht?
Hat man die Ränder umgeschlagen/versäubert?
Hat man "einfach so" festgeheftet oder machte man sich Mühe?

Gerade Tatzen- oder Johanniterkreuze sind ja, speziell an den Ecken, etwas kniffelig. Hat man sich da wirklich die Mühe gemacht, ordentlich und sauber zu arbeiten? Oder mehr nach dem Moto: wird schon halten?

Natürlich kann diese Frage nur hypothetisch beantwortet werden, aber ich wüsste gerne mal eure Meinungen dazu.
Wie handhabt ihr das mit den "Applikationen"?

Hagen von Kastl

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Aufnähen des Kreuzes
« Antwort #1 am: 11. Juni 2011, 12:10:17 »
Eine Gewandschneiderin, welche sich mit historischer Gewandung beschäftigt, hat mir erzählt, dass es üblich war, Kreuze und ähnliche "Aufnäher" mit Kerzenwachs anzuheften.

Eine Quelle dafür, hab ich aber nicht.

Hagen
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Alesandro von Hainichen

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Aufnähen des Kreuzes
« Antwort #2 am: 11. Juni 2011, 16:07:28 »
Servus,

ich hab meine sauber aufgenäht, die Ränder aber nicht umgeschlagen.
Alesandro von Hainichen


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Johannes vom Gollenstein

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Aufnähen des Kreuzes
« Antwort #3 am: 11. Juni 2011, 19:10:11 »
Die Idee hatte ich auch schon. Franst Wolle dann nicht schrecklich aus?

Alesandro von Hainichen

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Aufnähen des Kreuzes
« Antwort #4 am: 11. Juni 2011, 20:31:11 »
Bis jetzt hält es sich tapfer, habe es aber auch fein vernäht mit wenig Platz zum ausfransen.
Alesandro von Hainichen


Fummeln tötet.....

Lancelot Graf von Rothenfels

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Aufnähen des Kreuzes
« Antwort #5 am: 12. Juni 2011, 08:01:04 »
Ganz klar aufgenäht jedoch ohne es zu endeln.

Ich denke die "Aufnäher" im MA werden von Stand her verschieden ( von "geklebt mit Kerzenwachs - obwohl ich mir nicht vorstellen kann, dass das hält - über schnell mal hingenäht bis zur mühevollen Winterarbeit ) ausgeführt worden sein.

Da die Ordensbrüder zwar Armmut aber keine Sclampigkeit gelobt haben, gehe ich von einer ordentlichen Näharbeit aus.
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Johannes vom Gollenstein

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Aufnähen des Kreuzes
« Antwort #6 am: 12. Juni 2011, 11:30:07 »
Zitat
Original von Lancelot von Burg Schleynitz

Da die Ordensbrüder zwar Armmut aber keine Sclampigkeit gelobt haben, gehe ich von einer ordentlichen Näharbeit aus.

Hähä, der Spruch war gut!

Was meinst du mit "endeln"?

Die Geschichte mit dem Wachs kann ich nicht wirklich nachvollziehen, wie soll das halten? In Jerusalem spätestens dürften dann alle Kreuze dahinschmelzen...

Am letzten WE ist jedenfalls in Ruhpott-Sonne meine Altarkerze geschmolzen...

Lazarus v. Akkon

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Aufnähen des Kreuzes
« Antwort #7 am: 12. Juni 2011, 13:05:14 »
Was die ordensgewandung angeht so stimme ich Lancelot auch zu.
Wenn es dagegen ein Kreuzfahrer der ersten Stunde ist
der wird sich das kreuz wohl nur *angeheftet* haben,schliesslich
sollen ja die ersten kreuze aus nem zerissenen umhang gemacht wurden sein .
:-)
Du weist du bist ein richtiger Reenactor wenn.....
.... dir klar ist das Mittelaltermärkte nix mit deinem Hobby zu tun haben.

Lancelot Graf von Rothenfels

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Aufnähen des Kreuzes
« Antwort #8 am: 12. Juni 2011, 17:25:09 »
@JvG
Endeln heisst in Österreich das Umbiegen und umnähen des Randes.

@Laz
Ja - das sehe ich auch so - eben wie gesagt , dem Stand enrsprechend.
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Aufnähen des Kreuzes
« Antwort #9 am: 12. Juni 2011, 21:34:37 »
Hallo, ich habe meine Kreuze auch nur sauber aufgenäht und nicht umgeschlagen. Die Ecken sind wirklich etwas knifflig und verlangen nach sauberem und engem Nähen.
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William

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Aufnähen des Kreuzes
« Antwort #10 am: 13. Juni 2011, 16:23:59 »
Zitat
Original von Lazarus v. Akkon
Was die ordensgewandung angeht so stimme ich Lancelot auch zu.
Wenn es dagegen ein Kreuzfahrer der ersten Stunde ist
der wird sich das kreuz wohl nur *angeheftet* haben,schliesslich
sollen ja die ersten kreuze aus nem zerissenen umhang gemacht wurden sein .
:-)

Der Aussage kann ich mich vorbehaltlos anschließen - Orden = eine Art Uniform = ordentlich genäht.
Kreuzfahrer eher schlampig.
Kreuz im Wappen oder als Waffenrock bei Adeligen dann wieder eher ordentlich (Denkt einfach über die Herkunft des Wortes "ordentlich" nach ..... hehehe - neee keene Ahnung ob das stimmt , ist aber ein nettes Wortspiel *smoky*)

Gruß
William
Ist es nicht klüger zu akzeptieren, dass man nichts Genaues weiß, als sich auf tönernen Füßen Wahrheiten aufzubauen?

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Aufnähen des Kreuzes
« Antwort #11 am: 13. Juni 2011, 19:54:07 »
Bei meinen Kreuzen ist bisher nichts ausgefranzt. Ist ein wenig abhängig von der Qualität der Wolle die du dafür benutzt. Meinen roten Wollstoff hab ich erstmal eine Runde zu heiß in der Waschmaschiene gewaschen. Dadurch ist er etwa um die Hälfte eingelaufen, hat jetzt aber eine nahezu lodenähnliche Dichte. Ich habe einen Stich auf etwa 4 mm und das genügt völlig.

Johannes vom Gollenstein

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Aufnähen des Kreuzes
« Antwort #12 am: 14. Juni 2011, 08:22:11 »
Vielen Dank für die zahlreichen interessanten Denkansätze!

Der Gedanke von William (u. anderen) Kreuzritter-schlampig, Ordensleute-ordentlich (schönes Wortspiel!) gefällt mir gut. Klingt plausiebel und nachvollziehbar.

Für mein neues Kreuz habe ich mich nun schlußendlich doch fürs "endeln" entschieden, da der Stoff stark ausgefranst ist.
Und ich muss zugeben, krapp gefärbter Wollstoff hat was!  *smoky*

Oliver Graf von Ehrenberg

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Aufnähen des Kreuzes
« Antwort #13 am: 14. Juni 2011, 12:37:36 »
Ich habe die Ränder mit einem wasserlöslichen Klebestifft eingestrichen, eingeschlagen und von aufgenäht und den Klebstoff ausgewaschen. Ist zwar nicht A aber geht einfach und schnell.
Zeigt mit Zunge und Exempel
Das ihr Gott liebt und den Tempel ...