Autor Thema: Die Templer in Haft  (Gelesen 117 mal)

Hugo de Rode

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Die Templer in Haft
« am: 28. März 2018, 20:37:40 »
Folgende Information alle aus Alain Demurger, La Persécution des Templiers :

Inhaftierungsorte der Templer mit Anzahl der inhaftierten Templer :

1307

Caen (königliches Schloss) : 13
Pont-de-l'Arche (Gefängnis) : 6
La Roche d'Orival (Burg) : 1
Aigues-Morte : 54
Nîmes : 15
Alès : 6
Gisor : 1
Montreuil-sur Mer : mehr als 2
Sens: 5
Montargis : 1
Mâcon : 2
Niort : 2
Saint Jean d'Anegly : 2
Saintes : 1
Tours : 1
Najac (Burg) : Anzahl unbekannt
Domme (Burg) : Anzahl unbekannt
Loches (Burg) : Anzahl unbekannt, zeitweise Hugues de Pairaud

In Paris gab es mehrere Inhaftierungsorte :

-Enclos  du Temple de Paris (Komturei) : Jacques de Molay und die dort anwesenden Templer, ab Januar-Februar 1308 waren dort 100 Templer inhaftiert

https://www.templedeparis.fr/l-enclos-du-temple/

- Häuser Barbel (Barbeau : 12 Wächter) und Pruylli (Preuilly : 6 Wächter) : insgesamt 58 inhaftierte Templer
- Palast vom Bischof von Chalons (12 Wächter) : Anzahl der Templer unbekannt

Es ist bekannt dass die Templer während dieser Zeit gefoltert wurden.

1308 wurden die Pariser Templer in kleine Gruppen aufgeteilt und an andere Orte verlegt (Demurger/Persécution, Seite 91) :

Sainte-Geneviève : 6
Saint-Martin-des- Champs : 12
Bois de Vincennes : 24
Saint Denis : 8
Saint Maur des Fosses 6 Chaillot : 6
Corbeil : 4
Rochefort/Yvelines : 1
Monthléry : 6
Villeneuve-le-Roi : 2
Montereau/Yonne : 1
Chailly : 4
Bray s. Seine : 8
Pers en Gâtinais : 10
Moret : 1
Orléans : 2
Dammartin/Goële : 16
Montmélian : 6
Thiers sur Thève : 6
Nanteuil-le-Haudouin : 4
Crépy en Valois : 16
Creil : 8
Beaumont : 6
Trappes : 6
Conflans : 6
Goulet : 1
Vernon : 1

Andere Inhaftierungsorte im Jahr 1308 : Poitiers und Chinon (Schloss, Tour du Coudray : Graffiti von Jacques de Molay?)

https://www.templedeparis.fr/actualit%C3%A9s-1/expositions/forteresse-royale-de-chinon-les-templiers/

Wichtig! Laut Demurger (La persécution des Templiers, Seite 147) hatten Templer verschiedene Haftbedingungen : Templer die die Beschuldigungen bestritten hatten schlechtere Haftbedingungen als die Templer die alles zugaben...

Über die schlechten Haftbedingen beschwert sich zum Beispiel Consolin de Saint-Joire  1310 vor der päpstlichen Kommission. Er sagt aus, dass er während einem Jahr gefoltert und schlecht behandelt wurde, danach wurde er noch einmal während einem halben Jahr bei Wasser und Brot in der Kälte eingesperrt. Andere (renitente?) Templer berichten über ähnliche Zustände.

1310 in Paris/Verhöre vor der päpstlichen Kommission

58 Templer wurden von Gisors (Burg) nach Paris verlegt.

Die Templer waren in der Pariser Komturei (Enclos)  (75), in einer Abtei (12) und in diversen Häusern (Häftlingsgruppen zwischen 7 und 47 Templern) inhaftiert. Diese inhaftierten Templer haben verschiedene Verteidigungsschriften verfasst, einige in Latein, einige in Französisch und eine in Okzitanisch. Die Templer mussten also Schreibmaterial zur Verfügung gehabt haben.

Während dieser Zeit scheinen die Templer auch eine gewisse Bewegungsfreiheit gehabt haben.

Einerseits zitiert Demurger die Episode wo die päpstlichen Kommissare auf ihrer Inspektionstour der Inhaftierungsorte zwei Templer begegnen die aus dem Bischofspalast kamen...Wurden sie eskortiert? (Demurger, Persécution S. 204 und 205)

Andererseits vertraten einige Verteidigungsschriften die Ansichten von Templern die in verschiedenen Häusern inhaftiert waren. Wie konnten sie sich beraten?

Zu den Haftbedingungen noch Folgendes : für den Unterhalt eines inhaftierten Templers waren täglich zwischen 12 bis 16 Deniers parisis vorgesehen. (Demurger, Persécution S. 238)

Die Templer die sich mit der Kirche versöhnt hatten bekamen dreimal in der Woche geistlichen Beistand. (Demurger, Persécution S. 239)

So das war's mal für die Franzosen.

« Letzte Änderung: 29. März 2018, 08:07:15 von Hugo de Rode »
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Johannes vom Gollenstein

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Re: Die Templer in Haft
« Antwort #1 am: 29. März 2018, 12:48:25 »
Vielen herzlichen Dank für deine Ausführungen!!!

So wie sich das für mich darstellt, kann man wohl -von Ausnahmen sicher abgesehen- eher davon ausgehen, dass die Inhaftierten NICHT in düsteren Kerkerzellen, sondern eher in einer Art "Sicherheitsverwahrung" in Klöster o.ä. untergebracht waren?

Oder irre ich da völlig?
« Letzte Änderung: 29. März 2018, 12:53:40 von Johannes vom Gollenstein »

Hugo de Rode

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Re: Die Templer in Haft
« Antwort #2 am: 01. April 2018, 11:41:13 »
Die Haftbedingungen in 1310 könnte man als Sicherheitsverwahrung bezeichnen.

1307 und 1308 hat man die Templer in Frankreich aber wohl eher nicht mit Handschuhen angefasst...

Ich habe bis jetzt zwei Kerker gesehen in denen die Templer inhaftiert waren. Beide waren nicht sehr "bequem".

Den einen in Chinon wo Jacques de Molay inhaftiert war und den Kerker in Warwick Castle in dem eventuell auch Templer inhaftiert waren.

Chinon :

http://www.flickriver.com/photos/lionfranc37/5411457002/

Einige Fotos von Warwick findest du hier :

https://www.flickr.com/photos/sweenpole2001/3330606976/in/photostream/

Und wie schon geschrieben, die Haftbedingungen hingen teilweise von der Einstellung der Templer ab, diejenigen die bereit waren Geständnisse abzuliefern erhielten bessere Haftbedingungen...

 
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Johannes vom Gollenstein

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Re: Die Templer in Haft
« Antwort #3 am: 02. April 2018, 13:06:43 »
Großartige Fotos!
Vielen Dank, du hast mir sehr viel geholfen!

Benedikt von Söllbach

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Re: Die Templer in Haft
« Antwort #4 am: 02. April 2018, 21:52:18 »
Wobei sich mir noch die Frage stellt, wie die Zellen damals ausgestattet waren.
Waren die wirklich genauso nackt, wie wir sie heute sehen?
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Re: Die Templer in Haft
« Antwort #5 am: 03. April 2018, 09:19:48 »
Gute Frage.
Könnte mir vorstellen, dass bei "besseren Bedingungen" zumindest eine Art Bett (zumindest ein Strohlager) da war.
Vllt. bei gutem Willen auch eine Schreibgelegenheit mit Stuhl?
Ein Aborteimer?

Hugo de Rode

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Re: Die Templer in Haft
« Antwort #6 am: 03. April 2018, 10:46:56 »
Und vor allem Brennmaterial zum Heizen, warmes Essen und Ausgang in den Burghof...Na gut ist alles Spekulation...

Hier allerdings noch ein paar Fakten die Indizien für die Haftbedingungen ab 1310 liefern könnten :

Im März 1311 wurden im Auftrag vom Aufseher Pierre de Plailly (Aufseher von 11 Templern) für seine Häftlinge folgende Kleider angefertigt :

11 Robes (Röcke?)
mehrere Surcots und mit Schafspelz gefütterte Gugeln
20 Flohhauben
1 Hut
11 Hirschlederbruchen! (sollten die verlegt werden und bekamen deshalb Reitbruchen?)
22 Robes longues (lange Röcke?)
11 Paar Beinlingen
11 Paar Schuhe

(Quelle : Demurger, Persécution, Seite 239)

Zu der Hypothese der Sicherheitsverwahrung im Jahre 1310 :

Vergessen wir nicht dass Pierre de Bologne, Hauptverteidiger des Ordens vor der päpstlichen Kommission, fliehen konnte. Pierre de Bologne ging nach Bologna zurück und wurde Johanniter. (Quelle : Elena Bellomo : La Milizia del Tempio in Italia Settentionale, Seite 72 in I Templari/Grandezza e caduta della Militia Christi (2017) ) Ich habe das irgendwo noch mehr im Detail gelesen, weiss allerdings nicht mehr wo... :-[

Demurger berichtet von 6 Templern die aus dem Haus von Plailly ausgebrochen sind, nur einer (Philippe de Tréfons) wurde wieder in Noyon eingefangen. (Quelle : Demurger, Persécution, Seite 235 und Seiten 242 und 243)


Diese Beispiele von erfolgreich ausgebrochenen Templern im Jahr 1310 zeigen mir dass der körperliche Zustand einiger Templer nicht der allerschlechste sein konnte...
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Benedikt von Söllbach

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Re: Die Templer in Haft
« Antwort #7 am: 04. April 2018, 22:17:46 »
Zitat
Diese Beispiele von erfolgreich ausgebrochenen Templern im Jahr 1310 zeigen mir dass der körperliche Zustand einiger Templer nicht der allerschlechste sein konnte...
Oder die Bewachung/Einkerkerung nicht so streng war, wie wir uns das vorstellen...
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Hugo de Rode

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Re: Die Templer in Haft
« Antwort #8 am: 05. April 2018, 14:35:36 »
Vergessen wir nicht dass Pierre de Bologne, Hauptverteidiger des Ordens vor der päpstlichen Kommission, fliehen konnte. Pierre de Bologne ging nach Bologna zurück und wurde Johanniter. (Quelle : Elena Bellomo : La Milizia del Tempio in Italia Settentionale, Seite 72 in I Templari/Grandezza e caduta della Militia Christi (2017) ) Ich habe das irgendwo noch mehr im Detail gelesen, weiss allerdings nicht mehr wo... :-[

Ich habe es wiedergefunden, über den Werdegang von Pierre de Bologne nach 1310 berichtet Francesco Tommasi : Fratres quondom Templi, Seiten 280 bis 306 in The Templars und their sources/Crusades-Subsidia 10 (ed. Borchardt, Döring, Josserand und Nicholson). Er wurde 1329 in der Kirche Santa Maria Maddalena della Maggiore begraben. Der Grabstein besteht nicht mehr, aber es gibt noch eine Federzeichnung von Marcello Oretti aus dem 18. Jahrhundert die seinen Grabstein zeigt.

Falkensteins abenteuerliche Geschichte dass Pierre de Boulogne nach einem Aufenthalt in Deutschland Mitbegründer der schottischen Freimaurer gewesen wäre ist somit noch unwahrscheinlicher (Constantin Falkenstein : Geschichte des Tempelherren-Ordens (1833).
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